Der Pfarrer und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) schrieb vor knapp 80 Jahren: Christliche Kirche muss Kirche für andere sein. In einer der widrigsten Zeiten schrieb er von einem Moment der kirchlichen Identität, der zeitlosen und allgemeingültigen Charakter zu haben scheint. Auch für unsere westlich-säkulare Welt im 21. Jahrhundert. Auch für Gießen im Herzen Deutschlands.

Mosaik Gießen entstand aus eben dieser Vision: Eine Kirche für Menschen zu sein, unabhängig, wo sie sich zu Hause fühlen, welche Nationalität sie besitzen, welchem Beruf oder Studium sie nachgehen oder welche Weltanschauungen sie vertreten. Relevant zu sein für die immer komplexer werdende Welt. Bereichernd für eine aufstrebende Stadt. Das Evangelium von Jesus Christus nicht nur in architektonisch schönen Kirchengebäuden zu glauben, sondern im Alltag von und für Gießen kreativ erlebbar zu machen. So begannen wir zu träumen.

2012
Ausgehend und beeinflusst von der Gemeindegründungsbewegung Mosaik in Frankfurt (Begründer Dr. Stephen Beck) begannen ein paar junge Studenten im Frühjahr 2012 sich im kleinen Rahmen in einer WG im Schiffenberger Weg zu treffen. Innerhalb von zwei Jahren wuchs diese Gruppe zu 30 Leuten heran, die schnell den Rahmen eines WG-Wohnzimmers sprengte. Es bildete sich ein Kernteam.

2014
Trotz der Herausforderung, neben einem Studium ein Gemeindegründungsprojekt aufzubauen, entschlossen wir uns dazu, erste Gottesdienste zu veranstalten. Zu Beginn waren wir mittwochs abends in den Räumen von Campus für Christus und feierten Gottesdienste im zweiwöchigen Rhythmus. Zeitgleich suchten wir nach Räumlichkeiten in der Gießener Innenstadt; Orte, die aus dem Alltag bekannt sind; Orte, die Gießen bewegen.

2015
Im Januar 2015 wartete dann der nächste Schritt auf uns. Der erste Gottesdienst im Kinocenter Gießen. Wir waren überwältigt. Seither veranstalteten wir pro Monat einen Gottesdienst im Kino und einen bei Campus für Christus, bis wir im April 2016 beide Gottesdienste im Kino feiern konnten. Weitere Veranstaltungen hatten wir in verschiedenen Lokalitäten in Gießen – in der ehemaligen WG-Bar und in der Galerie 23.

2016
Prägend für das Jahr 2016 war, dass wir Denis Grams und Roland Franz als Pastoren berufen konnten. In diese Zeit fiel auch die Suche nach einem größeren Träger für die junge Kirche. Beim Kerntreffen am 14.12.2016 wurde mehrheitlich dafür votiert, sich dem Bund freier evangelischer Gemeinden (FeG) anzuschließen.
Gegen Ende des Jahres feierten wir die erste Taufe. Zwei Medizinstudentinnen ließen sich im Oktober am Dutenhofener See taufen.

2017
An Ostern war die Mosaikkirche zu Gast in der Kapelle der Pankratius-Gemeinde. Anstoß dafür war die Suche nach einem geeigneten Raum für die Karfreitag-Meditation des Berliner Künstlers Michael Erbach. Angetan von dem Charme der schönen Kapelle entstand das Konzept eines kontemplativen Gottesdienstformats. So kam es zu den „Gottesdiensten in der Kapelle“, die seit Juni einmal im Monat stattfinden.
In der Sommerpause entwickelte sich eine weitere Idee für ein Gottesdienstformat. Da im August keine Gottesdienste im Kinocenter und in der Kapelle stattfanden, veranstalteten wir Brunchgottesdienste – ein Frühstück mit anschließendem Gottesdienst in kleinen Gruppen und in privaten Wohnungen. So entstanden auf wundersame Art unsere drei Gottesdienstformate, …

2018
… die seit Jan. 2018 monatlich stattfinden: 1. Sonntag im Monat Brunchgottesdienst, 2. Sonntag Kinogottesdienst, 3. Sonntag Kapellengottesdienst, 4. Sonntag wieder Kinogottesdienst. Wir hatten die gleichen Bedenken, wie ihr jetzt vielleicht auch – ist das nicht zu kompliziert, jeden Sonntag was anderes, wie soll man sich das nur merken -, doch wir haben für uns entdeckt, dass darin viel Potential liegt und es sehr gut zu uns passt. Der Brunchgottesdienst deckt z.B. das Persönliche, das Eingeladensein, das Kennenlernen viel besser ab, wie es ein Kinogottesdienst könnte. Oder die Kapelle bringt mit ihrem einzigartigen Charme einen ehrfurchtsvollen, liturgischen Charakter mit und damit nochmal eine andere Art der Gottesbegegnung. Wir lieben unser neues Konzept – trotz aller Gewöhnungsbedürftigkeit – und sind gespannt, wohin dieser Weg uns noch so führen wird.

Unsere Geschichte ist noch lange nicht vorbei. Komm und träume mit uns.