WORTWAHL – DURCH WORTE LIEBEN

In ganz normalen Worten steckt eine solche Kraft. Sie können Großes bewirken, Leben und Trost spenden, „ich liebe dich“ sagen, Einblicke in unseren intimsten Gedanken geben, aber auch Chaos stiften, unsere Herzen zum Explodieren bringen, einen Krieg lostreten, die Wahrheit verlieren und tief verletzen. Es tut weh, nicht zu verstehen und nicht verstanden zu werden. Und so sehnen wir uns alle nach gelungener Kommunikation. Doch was heißt es gut mit Worten zu leben? Dieser Frage wollen wir uns in den nächsten Wochen stellen, in der Hoffnung, dass unser Reden durch Gottes Reden verändert wird

Künstlerkommentar von Carolin Kirschner

Worte können große Auswirkungen auf unser Gegenüber haben. Was wir sagen, und vor allem wie wir es sagen und in welcher Haltung wir einander begegnen, ist oft entscheidend für unsere Beziehungen untereinander.

Wie viele Details in einem Gespräch von Bedeutung sein können, soll auch in der zur Predigtreihe angefertigten Zeichnung deutlich werden. In der Bildkomposition sind ein Mann und eine Frau zu sehen, die miteinander im Gespräch sind. Die Frau auf der linken Seite sitzt in einem Stuhl und blickt nachdenkend, schon fast abwesend mit gesenktem Kopf nach vorn. Der Mann hingegen steht aufrecht und sieht über die Frau hinweg. Die Positionen dieser beiden Personen zeigen bereits, wie viel allein die Haltung in einem Gespräch ausmacht. Durch seinen aufrechten Stand scheint der Mann sehr dominant, ja schon fast mächtig. Obwohl seine Züge weich sind, schwingt eine gewisse Härte in seiner Präsenz mit. Das Auge des Betrachtenden wird durch diese starke Ausstrahlung als erstes auf den Mann gezogen und erst im zweiten Moment erhält auch die Frau auf der linken Seite ihre Aufmerksamkeit.
Auch die Gestik ist vielsagend. Obwohl der Mund der Frau durch ihre Hand verdeckt ist, wird klar, dass diese spricht. Selbst wenn sie keine Worte äußert, so kommuniziert sie doch deutlich durch ihre Hand. Möglicherweise bestärkt sie das Gesagte oder setzt ein deutliches Aber entgegen. Der Mann wiederum wirkt durch seine an das Kinn gestützte Hand sehr nachdenklich. Er lässt den Außenstehenden ebenfalls in ein Nachdenken versinken und wirft die Frage auf, was wohl in seinen Gedanken vorgeht.

Was diese beiden tatsächlich bereden, weiß der Betrachtende nicht. Trotzdem wird deutlich: jedes Wort, jede Haltung und jede Geste bewirken etwas in der Begegnung miteinander. All das kann ermutigen oder erdrücken, aufrichten oder einschüchtern, nachdenklich stimmen und haften bleiben.